Sonntag, 28. Juni 2020

[Rezension] Bourbon Kings




Titel:
Bourbon Kings
Autor:
J. R. Ward
Übersetzer:
Marion Herbert und Katrin Kremmler
Verlag:
LYX - Bastei Lübbe AG
veröffentlicht:
Köln 2017
ISBN:
978-3-7363-0322-5
Seiten:
528
Preise:
12,90€

Grober Inhalt:
Geheimnisse und Intrigen innerhalb einer Familie, in der niemand den anderen wirklich kennt. Bei den Reichen und Schönen ist alles mehr Schein als Sein und in der Familie der Bradfords wird das auf ein ganz neues Level gehoben.
Cover des Buches
Letztens habe ich Bücher bestellt und ab einem bestimmten Einkaufswert gab es ein Buch gratis dazu. Da ich aber weder ein Buch über Sehenswürdigkeiten in Thüringen noch ein Kinderbuch haben wollte, entschied ich mich schweren Herzens für den dritten Teil einer Reihe, die eindeutig nicht meins ist. Eigentlich hatte ich vor das Buch entweder zu verschenken oder zu verkaufen, bis ich bemerkte, dass unsere Stadtbibliothek ihre E-Books kostenlos zur Verfügung stellt. Also habe ich auf gut Glück nach geschaut, ob die ersten beiden Teile dabei sind; und BINGO.

Also habe ich mich das erste Mal an ein E-Book getraut. Zusätzlich ist es ein Genre, was mir normalerweise nicht zusagt. Ich machte mich auf einen langweiligen Liebesroman gefasst, aber glücklicherweise kam alles anders, als ich dachte.

Wenn man den Anfang liest, denkt man, es geht um zwei (Ex)-Lovers, die sich nach zwei Jahren das erste Mal wiedersehen, nachdem es eine hässliche Trennung gab, wobei er eine andere heiratete, die von ihm schwanger war. Zudem ist Lane, eigentlich Jonathan Toulane Baldwin, ein Erbe der Bradford-Bourbon-Company, die schon seit Generationen den besten Bourbon des Landes produzieren und dadurch steinreich sind. Lizzie hingegen ist eine einfache Angestellte in deren Anwesen.
Ehrlich gesagt war diese ganze Storyline um diese beiden super nervig und vorhersehbar. Nicht zu vergessen, dass ich persönlich denke, die beiden Charaktere haben keine gute Chemie. Es wurde zu viel darauf eingegangen, dass sie sich körperlich vermissten und sich nach einander sehnen. Später kristallisierte sich dann zwar heraus, dass da auch eine tiefe emotionale Bindung vorhanden war, vermittelte mir aber trotzdem nicht das Gefühl, dass die beiden eine gute Partie füreinander wären und das die Liebe echt ist. Das lag aber auch teilweise daran, dass Lizzie recht eindimensional wirkte. Als bestände ihre einzige Aufgabe darin, Lanes Love Interest zu sein. Bei allem, was sie tut, ist Lane das Ziel und, so leid es mir tut, das zu sagen: ich war froh, wenn gerade nicht aus ihrer Sicht erzählt wurde.

Glücklicherweise gibt es andere Handlungsstränge, die mich viel mehr in ihren Bann gezogen haben. Da die Erzählperspektive zwischen den Charakteren hin und her gesprungen ist, bekam ich auch in alle einen Einblick.

Meine Lieblingshandlung war wohl die von Edward, dem ältesten der vier Bradford-Geschwister. Nachdem er entführt, gefoltert und gerettet wurde, trägt er noch immer psychische sowie auch physische Wunden, die ihn zu einem Leben als Einsiedler getrieben haben. Vorher noch tüchtiger Geschäftsmann, nachher nichts mehr als eine leere Hülle, die ihre Zeit mit Alkohol totschlägt, wenn er sich nicht um seine Pferde kümmert.
Mit ihm macht man eine Reise auf der persönlichen Ebene durch, wie er kämpft und kämpft und sich mehr oder weniger trotzdem aufgibt. Seine Handlung war vielleicht nicht so dramatisch und actionreich wie die anderen, aber es war sehr interessant, auch schon bevor er in die eigentliche Haupthandlung einstieg.

Eine weitere Handlungslinie dreht sich um Gin, die einzige Tochter unter den Geschwistern.
Sie genießt ihr teures Leben, schläft sich durch die sozialen Ränge und gibt die Herrin des Hauses, da ihre Mutter ziemlich vernebelt ist. Ihre eigene Tochter sieht sie nie, da diese auf einem Internat ist, und der Vater spielt keine Rolle. Dafür umso mehr der gutaussehende, charmante Anwalt, mit dem sie eine Art Wettbewerb hat; wer hat die besseren Lover? Nur, damit sie nicht eingestehen müssen, dass einander doch mögen. Doch dieses Spiel soll unterbrochen werden, ohne dass die beiden einen Einfluss darauf haben.
Mein absolutes Lieblingspaar in diesem Buch, auch, wenn man sie nicht als Paar beschreiben kann. Die Energie zwischen den beiden stimmt einfach und man spürt das Knistern, was ich zwischen Lizzie und Lane vermisse, die ja eigentlich das Hauptpaar sein sollen.
Und wenn jetzt die Frage aufkommt, was denn mit dem letzten Sohn der Familie ist, kann ich das leider nicht beantworten, da ich keinerlei Informationen zu ihm habe. Vielleicht mag ich ihn deswegen bisher…

All diese Handlungen führen ein Eigenleben, bis sie es eben nicht mehr tun und die Fäden zusammengeführt werden.
Denn eine so reiche und einflussreiche Familie hat so einige Geheimnisse, von denen die Welt nichts erfahren soll. Und wenn selbst die Geschwister zu Anfang nichts wissen, so wird die Wahrheit ans Licht kommen und sie mit sich in den Abgrund ziehen.

Wo ich am Anfang noch meine Probleme hatte rein zukommen, so habe ich am Ende das Buch einfach nur verschlungen. Es liest sich relativ flüssig und die Sprache macht es einem leicht Freude daran zu finden. An der ein oder anderen Stelle wurde vielleicht etwas mit den Metaphern und Vergleichen übertrieben, aber das ist sogar recht unterhaltsam. Anscheinend war gewollt, dass man sich selber damit identifizieren konnte, was halt fehlgeschlagen ist.
Ansonsten sind die meisten Charaktere nachvollziehbar. Nicht, dass ich alle mochte, ganz im Gegenteil; aber die verhielten sich ihrem Muster entsprechend.

Was ich tatsächlich lobend hervorheben muss, ist das foreshadowing. Es war gekonnt eingesetzt und im Nachhinein fiel mir erst auf, wo geschickt das ein oder andere schon eingewoben wurden ist.

Dafür, dass es eindeutig nicht mein Komfortbereich ist, hat mich das Buch positiv überrascht. Als Auftakt zu der Reihe hat es mich jedenfalls überzeugt, da ich mehr Fragen als Antworten bekommen habe und nun unbedingt wissen möchte, wie sich alles auflöst.





Die Beziehung zwischen Lane und Lizzie finde ich gar nicht so seltsam, wie du es darstellst. Die beiden lieben sich über alles und haben sich seit zwei Jahren nicht mehr gesehen, nachdem sie nicht  gut auseinandergegangen sind. Natürlich ist nicht von Anfang an alles wieder im Reinen und sie müssen daran arbeiten.




Das bedeutet aber nicht, dass sie sich ständig über ihre eigenen Vorgaben hinwegsetzen müssen! Mal abgesehen davon sind manche Beschreibungen der anderen Person ziemlich seltsam. Nicht, dass es schlimm wäre - aber einfach sehr, sehr seltsam.






"Sehr, sehr seltsam" fasst das Buch insgesamt ganz gut zusammen: Die Figuren sind viel zu dramatisch, und ihre Dramatik in sich ist noch zu dick aufgetragen. Von den Clichés darin ganz zu schweigen.
Dieser Meinung bin ich auch. Was soll man schon darüber sagen? Ein Buch, was es zu tausenden auf dem Markt gibtN immt man die Liebesgeschichte raus, könnte es interessant sein.

xoxo Shade

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