Sonntag, 11. April 2021

[Rezension] Serafina - Das Königreich der Drachen




Titel:
Sereafina. Das Königreich der Drachen
Autor:
Rachel Hartman
Übersetzer:
Petra Koob-Pewis
Verlag:
cbj Taschenbuch
veröffentlicht:
München 2014
2. Auflage
Original :
Seraphina, 2012
ISBN:
978-3-570-40249-8
Seiten:
496
Preis:
12,99€

Grober Inhalt:
Die junge Komponistin und Flötenspielerin Serafina steht zwischen zwei Welten, die einander hassen: auf der einen Seite die Menschen, auf der anderen die Drachen.
Cover des Buches
Liebster Leser,

Weißt du, eigentlich mag ich Drachen-Fantasy gar nicht so sehr. Um ganz ehrlich zu sein, eigentlich mag ich Fantasy gar nicht - es endet fast immer blutig. »Das Lied von Eis und Feuer«, zum Beispiel. Oder »Eragon«. Oder »Eona - Die Drachentochter« … der einzige Grund, »Serafina - Das Königreich der Drachen« zu lesen, ist, dass Irving es mir geschenkt hat und ich mich nicht mit ihm streiten wollte…

Oje. Hoffentlich liest er das nicht.

Aber eigentlich ist es gar nicht so schlimm, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat; zumindest dieses Buch. Ich mag es sogar richtig gern! Es ist auch bei Weitem nicht so brutal wie andere Fantasy-Romane - es fängt zwar schon mit einem abgeschlagenen Kopf an, aber abgesehen davon ist »Serafina - Das Königreich der Drachen« kein sonderlich grausames Buch. Im Gegenteil: Es hat viel mit Musik zu tun. 

Das liegt vor Allem daran, dass Serafina sehr musikalisch ist. Irgendwie spürt sie die Musik - schon seit sie ein Kind ist. Und davor. Serafina erinnert sich an ihre Geburt. Und an das Davor, etwas, an das ich mich noch nicht richtig gewöhnen konnte. Irgendwie wird es nämlich nicht noch einmal aufgegriffen und wirkt am Anfang ziemlich seltsam…

… wie auch immer, als die Geschichte beginnt, ist sie Flötenspielerin am Hofe, und soll auf der Beerdigungsfeier von Prinz Rufus spielen, womit sie alle Anwesenden zum Weinen bringt. Tatsächlich spielt dieses Talent im weiteren Verlauf keine allzu große Rolle mehr, und Serafina gerät zunehmend in das Schema einer hilflosen Protagonistin, die die Hilfe ihres Prinzen braucht.

Aber ich habe ja nichts gegen Romanzen - zumal Prinz Lucian wirklich interessant gestaltet ist, in seiner etwas kühlen und coolen Art. Vielleicht funkt es deshalb trotzdem nicht so richtig; irgendwie kann man nicht ganz mit den beiden mitfühlen. So gern ich dieses Buch auch mag, die Romantik darin ist aus meiner Perspektive nicht so ganz gelungen.

Es ist nun einmal ein Fantasy-Roman. Größtenteils geht es darum, dass sie Intrigen aufdecken müssen und vor Leuten weglaufen. Was jetzt nicht schlecht sein muss! Im Gegenteil, es ist sogar sehr spannend gemacht. Vor Allem aber ist es sehr humorvoll - Serafina versteht sich darauf, den Leser mit findigen Wortverdrehungen auszutricksen und ihm für einen Moment den Atem zu nehmen. Selbst wenn man für Intrigen und Weglauf-Szenen nicht so viel übrig hat, schafft sie es, den Leser in ihren Bann zu ziehen - und manchmal auch zum Lachen zu bringen.

Interessant sind auch die anderen Figuren im Buch - besonders die Halbdrachen. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber einige von ihnen haben ein wirklich schweres Schicksal und tun jedem Leser leid. Besonders der kleine Junge am Ende des…

… da sind wir auch schon bei einer wichtigen Sache: Das Buch endet eigentlich gar nicht. Das heißt, doch, es endet schon, aber eben nicht richtig. Es ist ein Mehrteiler, wie viele Fantasy-Romane, und wenn man sich wirklich mit Serafina beschäftigen möchte, sollte man vermutlich alle Teile lesen, denn der erste Band endet relativ offen.

Ich für meinen Teil habe das aber nicht unbedingt vor, das erste Buch war erst einmal genug.

... vorausgesetzt, Irving schenkt mir nicht noch den nächsten Teil...


Was du immer gegen Fantasy hast, Amira! Ich finde, das hier ist ein wirklich tolles Buch, und wenn ich wieder genug Taschengeld habe, kaufe ich mir auf jeden Fall die nächsten Bände. Die Drachen hier sind so toll - ich meine, sie können sich in Menschen verwandeln! Wie cool ist das denn?



Sonderlich originell ist es aber nicht. Das gibt es in jedem zweiten Fantasy-Roman. Generell ist »Serafina« nicht unbedingt etwas Neues. Lediglich die Protagonistin ist wenigstens teilweise besonders...


Mein Favorit ist es auch nicht. Trotzdem, ein paar Punkte kann man dem Buch zugute rechnen: Zum Beispiel, dass die Themen Ausgrenzung und Rassismus sehr gut aufgegriffen werden - und dass man sie hinter der Fantasy-Fassade scharf kritisiert. Was zugegeben aber weder originell noch in irgendeiner Form bemerkenswert ist. Schließlich handelt es sich um Grundsätze unserer Gesellschaft, die eigentlich jeder teilen müsste; es macht das Buch zwar vielleicht etwas interessanter; tiefgründiger wird es dadurch allerdings auch nicht.


Also, wenn du auf der Suche nach einem etwas milderen, romantischeren Fantasy-Roman mit einer neuen Auffassung von Drachen bist, findest du in »Serafina« vielleicht genau das, was du suchst. Abgesehen davon liest es sich leicht und erstaunlich schnell; obwohl es fast 500 Seiten sind.


Liebste Grüße!

Amira

[Rezension] Das Dunkle Herz des Waldes




Titel:
Das Dunkle Herz des Waldes
Autorin:
Naomi Novik
Übersetzerin:
Marianne Schmidt

Verlag:
cbj Kinder- und Jugendbuch Verlag
veröffentlicht:
München 2017
2. Auflage
Original :
Uprooted, 2015
ISBN:
978-3-570-17268-1
Seiten:
571
Preis:
17,99€

Grober Inhalt:
Ein Fantasy-Romantik-Roman mit einer neuen Interpretation von Magie - für die es vor allem Musik braucht.
Cover des Buches
Lieber Leser.

Ich muss zugeben, dieses Buch habe ich nur gelesen, weil Amira es mir geschenkt hat und ich mich nicht mit ihr streiten wollte (ja, das will ich wirklich nicht) (nicht immer) (oh Gott. Wenn sie das liest…!). Ich mag Jugendbücher eigentlich überhaupt nicht. Erst recht nicht, wenn man schon nach dem Klappentext das Gefühl hat, das Buch gelesen zu haben (und dieses Gefühl habe ich eigentlich bei jedem Jugendbuch).

Bei »Das Dunkle Herz des Waldes« war das zweifellos der Fall; laut Klappentext gebe es da ein Mädchen, Agnieszka, das von einem mehr oder weniger bösen Zauberer, dem »Drachen«, in seinen bösen, dunklen Turm in seinem bösen, dunklen Wald entführt wird. Überraschung: Es gibt eine Romanze. Mit wem wohl. Zweite Überraschung: Sie lernt Magie. Ich bin sprachlos. Dritte Überraschung: der böse, dunkle Wald hat ein Geheimnis. Nicht zu glauben.

Ungefähr so, in einem manchmal holpernden, distanzierten Schreibstil, beginnt das Buch: mit Stereotypen. Und zwar mit Stereotypen in jeder erdenklichen Form.

Bei Agnieszka angefangen - das Mädchen mit dem unaussprechlichen Namen und dem angeborenen Talent für gar nichts. Daneben: ihre beste Freundin, die natürlich alles kann. Außerdem dabei sind der unnahbare Zauberer, der langsam auftaut, und nicht zu vergessen die ganze Umgebung: der dunkle Wald, der böse ist. Und das tolle, schöne Dorf. Die ersten 400 Seiten waren so vorhersehbar, ich kam mir fast vor, als hätte ich das Buch schon einmal gelesen.

… ja, nur die ersten 400 Seiten. Ja, ich weiß, das Buch hat 500. 569, um genau zu sein. Es ändern sich ein paar Dinge, und… 

Nun ja. Sagen wir, das Buch mausert sich.

Am Anfang besteht die Handlung aus ziemlich vielen Stereotypen. Manches davon ist nicht nur unglaublich nervig, sondern auch noch nervend unglaubwürdig: die Romanze, beispielsweise. Total unnötig. Zumal sie wortwörtlich damit beginnt, dass er sie gegen ihren Willen in einem Turm einsperrt und plant, sie dort zehn Jahre lang gefangen zu halten.

Und das ganze Magie-Gesülz. Natürlich muss das untalentierte Mädchen in Wahrheit total begabt sein. Warum kann es eigentlich nie eine absolut unfähige Figur geben? Warum entpuppen sich diese unfähigen Figuren immer nach mindestens einhundert Seiten als die besten Magier, die es jemals gegeben hat?

Aber ich will mich gar nicht allzu sehr darüber aufregen (am Ende kommt Amira noch dahinter!) - so schlecht ist das Buch nämlich gar nicht. Eigentlich ist es sogar erstaunlich gut. Wie gesagt: Es mausert sich.

Vor Allem die Hintergründe der Handlung sind überraschend; ehrlich überraschend, und erstaunlich einfallsreich. Nicht im negativen Sinne. Ich muss zugeben, ich habe selten so eine interessante, unerwartete Wendung im Thema des Buchs erlebt wie hier - und selten eine so faszinierende und neuartige Fantasy-Welt wie ein »Das Dunkle Herz des Waldes«. Die Autorin schafft es tatsächlich, all die stereotypischen Anfänge zu erklären. Mehr noch: zu rechtfertigen. Wenn ich die Zeit hätte, würde ich es fast noch einmal lesen, nur, um auf all die Anspielungen zu achten, die ich beim ersten mal übersehen habe.

Außerdem werden hier verschiedene Probleme angesprochen und sehr gut in die Welt eingewoben. Und ich bin immer begeistert davon, wichtige Fragen in Bücher zu verpacken; erst recht, wenn sie so gut verpackt sind, dass man sie erst am Ende mitbekommt. (Welche Probleme es allerdings sind, musst du selbst herausfinden. Nur so viel: auch wenn du dich ein bisschen der Philosophie zugeschrieben hast, kann dich dieses Buch faszinieren.) (Das Ende, jedenfalls.)
… lies den Anfang bitte trotzdem.

Abgesehen davon gibt es in »Das Dunkle Herz des Waldes« eine neuartige Interpretation vom Thema »Magie«; genau genommen sind es sogar zwei. Die erste erinnert mich ein wenig an Alchemie, die zweite (neuartigere) hat etwas mit Musik zu tun. Was potenziell zwar eher komisch wirkt als authentisch, setzt Naomi Novik recht ansprechend in ihrem Buch um.

Insgesamt kann ich es also empfehlen. Wenn du keine allzu hohen Ansprüche hast und kein großes Problem damit, erst einmal Stereotypen ertragen zu müssen, wird dir das Buch vielleicht von Anfang an ans Herz wachsen. Wenn nicht, dann erst am Ende.

Alles in allem kann man sagen, dass es nicht schlecht ist. Abgesehen von der Romanze. Die ist wirklich lästig.

… obwohl mir da wahrscheinlich auch ein paar widersprechen würden.

(Amira, zum Beispiel.)


Ich auch! Das Buch ist ausnahmslos schön. Auch die Charaktere, besonders Kasia, sind toll, und der Drache. Beide wirken vielleicht ein bisschen eigen, ja - aber deshalb interessant, weil sie sich nicht so sehr um Agnieszka kümmern. Anders als in anderen Büchern richtet sich nämlich kaum jemand nach der Hauptfigur.


Wenn man Fantasy mag … meinetwegen. Aber für Leute über fünfundzwanzig ist das nichts.


Der Anfang dümpelt vor sich hin, daher finde ich nicht wirklich, dass es sich nur für das Ende lohnt, was aber zugegebenermaßen ganz gut ist. Nur ist es das wert, sich durch so viele Seiten zu quälen, damit man irgendwann eine gute Auflösung liest?

Das muss wohl jeder selbst entscheiden.

Mit freundlichen Grüßen,

Irving