Sonntag, 17. Mai 2020

[Rezension] Harry Hanf und die Revolte der Pflanzen


Weißt du, wenn man alt wird, so ganz allmählich, verliert man mit der Zeit den Sinn für die Themen der Jugend. Eine bedauernswerte Tatsache; so Vieles könnte man machen, würde man immer so weiter lernen wie früher. So Vieles könnte man ändern.

Vielleicht war es die Reue über diese Dinge, die mich zu diesem Buch greifen ließen. Anders kann ich es mir nicht erklären, jemals ein solches Buch in die Hand genommen zu haben.

Schon das Äußerliche - auf das man mit der Zeit zu achten verlernt - kann mich eigentlich nicht überzeugen. Auch der Titel, »Harry Hanf und die Revolte der Pflanzen« - nun ja, ist fragwürdig. Wirft man einen Blick hinein, gleichen die Seiten einem Theaterstück, mit abgebrochenen Zeilen, vielen Absätzen sowie zahlreichen Monologen und Stichomythien. Das ganze Buch scheint wie ein Theaterstück aufgezogen zu sein: Es ist in Akte eingeteilt, es gibt kaum Überschriften, dafür aber ein Verzeichnis mit allen Figuren, ja, sogar mit einer Besetzungsliste der Hörbuchfassung.

Mit Verlaub, das ist etwas gewöhnungsbedürftig, für ein Sachbuch. Selbst, wenn es ein Satire-Sachbuch ist.

Aber nun gut, dachte ich; vielleicht liegt das auch an meinem Alter, dass ich solche Dinge kritisch aufnehme.

An und für sich beschreibt die Autorin die Cannabis-Debatte eigentlich recht interessant. Man kann Einiges darüber lernen, sich eine Meinung bilden - für einen Laien in diesem Thema (und als solchen würde ich mich beschreiben) kann dieses Buch durchaus als Informationsgrundlage dienen.

Wenn man nur den Sachinhalt betrachtet.

Grundsätzlich hat das Buch nicht viel mehr als diesen Sachinhalt: Der gesamte Umgang der Figuren beschränkt sich darauf, dass die unterschiedlichen personifizierten Pflanzen einander ihre Meinungen und Geschichten vortragen. Dadurch wirken sie alles andere als authentisch, vielmehr pragmatisch, spartanisch nur, wie Puppen, die möglichst viel Information in möglichst wenig Worten unterbringen müssen.

Zugegeben, dafür ist das Buch auch nicht so lang.

Dieser durchaus ernst zu nehmende Sachinhalt wird also mehr oder weniger eingebettet in eine eher abenteuerliche Handlung, die wohl eher jüngere ansprechen soll: Die Pflanzen der Welt wollen sich gegen die Menschen auflehnen, da diese sie ungerecht behandeln. Eine ähnliche Problematik wie die Frage, ob man Tiere essen darf. Prinzipiell eine interessante Idee; nah an Albert Schweizers Philosophie, laut der man bekanntlich »aller Kreatur alles irgend Möglich Gute« geben sollte. Ich mag diesen Grundgedanken. Das ist eine schöne Philosophie.

Wie auch immer, die Pflanzen berufen daraufhin ein Gipfeltreffen ein, in dem sie über dieses Unrecht beraten. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob man die Menschen dafür bestrafen sollte; Harry Hanf möchte dies auf jeden Fall verhindern.

Da sind wir bereits an einem der Punkte, die mich stören. Vieles wird übertrieben albern dargestellt; ich bin ein Freund von Satire, aber alberne Satire ist keine richtige Satire mehr. Wenn man ein Buch nicht mehr ernst nehmen kann, weil alle Figuren lächerliche Namen tragen, lächerlich sprechen und lächerlich steife Dialoge halten, kann mich dieses Buch auch nicht mehr mit seinem Inhalt überzeugen. Den Schreibstil kann man nur als dürftig bezeichnen, die Ideen allenfalls als amüsant, die Handlung als ermüdend und den Witz nur als unterhaltend, wenn man sich über die ›Miserabelität‹ des Buchs amüsieren möchte.



Auf keinen Fall ist »Harry Hanf« ein Buch für jeden. Seriös kann man es nicht nennen; trotzdem fühle ich mich nach dem Lesen seltsam informiert. Lange liest man nicht daran - verschwendete Zeit ist es also wirklich nicht.

Mit lieben Grüßen,
Nestor

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